Dienstag, 29. März 2011

Tombola für Japan






Am Samstag, den 26. März fand die ESO - Family - Party statt, und eine Woche zuvor kam uns die spontane Idee, eine Tombola für Japan zu organisieren. Wir wollten nicht länger hilflos und niedergedrückt die schrecklichen Nachrichten verfolgen, sondern selbst etwas tun und sei es auch noch so wenig.Also schrieb ich eine mail an den ESO - Ehefrauen Club und erklärte , was ich vorhatte. Emiko und Mika, zwei reizende Japanerinnen, verheiratet mit Astronomen, meldeten sich sofort und boten ihre Hilfe an. Wir drei hatten uns noch nie gesehen, aber es gelang uns tatsächlich innerhalb von 5 Tagen ( bestimmt hundert e-mails flogen hin und her ), bürokratische Hindernisse zu überwinden, über 70 kleine Geschenke für die Verlosung zu sammeln, Poster zu drucken, und alle benötigten Utensilien zu organisieren. Ich malte noch ein Bild, das symbolhaft die verheerende Katastrophe darstellt, das sollte mein Beitrag zur Tombola sein.
Samstag früh traffen wir uns dann zum erstenmal und stellten sofort fest, dass wir ein super Team waren. In 3 Stunden hatten wir 200 Lose gebastelt, die Losnummern an die Preise geklebt , Listen verfasst, und, unterstützt von unseren Männern, den Stand aufgebaut.
Die Resonanz war grossartig ! Fast jede Familie kaufte sogar mehr als nur ein Los und kurz vor Ende der Veranstaltung hatten wir alles an "Mann, Frau oder Kind " gebracht. Von Weinflaschen, Reiskocher über Kinderspielzeug und Pflanzen, bis zu Kleidung, es war für jeden etwas dabei . Überglücklich zählten wir das Geld - wir hatten umgerechnet 821 Euro eingenommen !! Zu dem guten Gefühl, helfen zu können, kam noch etwas Wichtiges hinzu : Emiko, Mika und ich sind zu Freundinnen geworden . Beruhigend für mich war, zu erfahren, dass ihre Familienangehörigen in Japan ( bis jetzt ) wohlauf sind :)

Sonntag, 20. März 2011

Die Flagge der Magellan - Region


Und hiermit endet mein Bericht über das geheimnisvolle, windverwehte, rauhe und einsame Patagonien.........

Wer weiterlesen möchte, dem seien zwei absolute Klassiker empfohlen :

Bruce Chatwin : In Patagonien

Luis Sepulveda : Patagonien Express

Schnupperkurs Patagonien Teil V - Puerto Natales







Puerto Natales, eine kleine Hafenstadt, am Ultima Esperanza Fjord gelegen, erschien uns als der krasse Gegenentwurf zu dem lebendig - quirligen Punta Arenas. Obwohl die kurze patagonische Hochsaison noch nicht zu Ende war, lag eine irritierende Ruhe über den Strassen, viele verwahrloste und schon länger leerstehende Gebäude vermittelten den Eindruck eines langsam dahinsterbenden Ortes. Selbst die Kormorankolonie , die die Überreste der alten Mole bevölkerte, wirkte seltsam gedämpft. Hermann Eberhard, der Hobbyarchäologe, begegnete uns auch hier. Als Pionier am Ende des 19. Jahrhunderts, versuchte er, das verschlungene Gewirr der Fjorde zu enträtseln, kartographierte Land und Wasserarme und gründete die erste Schaffarm der Gegend.
Ultima esperanza bedeutet " letzte Hoffnung" und der Name ist eine zutreffende Beschreibung für die Stimmung, in der sich Generationen von Seefahrern befunden haben mussten, die verzweifelt einen Weg durch dieses Wasserstrassen - Labyrinth suchten. Heutzutage werden die Touristen auf bequemen Booten, versorgt mit heissem Tee und Gebäck, und der Möglichkeit, dem rauhen Klima in warme Kabinen zu entrinnen, durch diesen Fjord geschippert. Schwere, dunkle Wolken und Nieselregen liessen unseren Bootstrip zu einer etwas grauen und feuchten Angelegenheit werden. Stundenlang stampfte das Schiff unbeirrt in den immer enger werdenden Fjord.Auf beiden Seiten wechselten sich bewaldete Hügel mit steilen Felsklippen ab. Bemooste Wasserfälle und ab und zu eine grosse Lichtung, in der, umgeben von Viehweiden, eine alte Estancia sich unter knorrige Bäume duckte. Die meisten dieser einsam gelegenen Farmen waren nur über den Schiffsweg zu erreichen. Ich versuchte, mir ein Leben in dieser Isolation und Abhängigkeit vorzustellen.....vermutlich konnte es Paradies und Hölle zugleich sein....
Hungrig und verfroren, legten wir am Spätnachmittag am Bootsteg der Estancia Perales an. Dort wartete auf uns eine zünftige Parilla, auf offenem Feuer gegrillte Stücke von Lamm, Huhn und Rind, die übereinandergeschichtet und dampfend auf jeden Tisch getragen wurden. Es war das beste Lamm, das ich je gegessen habe ! Mit gefülltem Magen war die Enttäuschung über den nebelverhangenen Anblick des Serrano - Gletschers leichter zu ertragen....

Freitag, 11. März 2011

Zwischendrin ein bisschen Santiago !!



Die Patagonien - Berichterstattung ist noch nicht vorbei :), aber beim Surfen fand ich gerade eine , wie ich meine, sehr zutreffende Beschreibung von Santiago. Auf der Internet Seite von " Lonely Planet" ist zu lesen :

On a clear day, fresh after winter showers, Santiago basks in one of the most spectacular settings of any city in the world. A glance through the downtown blocks reveals a mighty circle of mountains - the snowcapped Andean peaks to the east, and a smaller coastal range to the west - that frames the Chilean capital.

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A clear day, however, is rare in this smog-blighted metropolis. In art class, Santiago school-kids draw their horizons a murky gray and, although the air has cleared somewhat in recent years, pollution and noise are likely to cloud your first impressions, especially in winter.

Don't be put off. Santiago might be dirty and loud, and it might not match the grandeur of Buenos Aires - but it is cultured, quirky and ambitious. The city rewards the patient traveler. Beyond the conservative conformity of Santiago Centro, and the soulless towers of the Las Condes financial district, there are thriving culinary and artistic enclaves that are a joy to uncover. Gourmets feast on world-class cuisine in Bellavista and Providencia, bohemians gather in the charming old district of Barrio Brasil, while the city is dotted with fine museums and a flourishing arts scene. With a booming café culture and leafy, exotic suburban parks, Santiago has an infectious energy and a growing confidence.

And those mountains don't just sit there as decoration - there's a huge range of activities within easy reach of the urban sprawl. Trekking, climbing, horseback riding, skiing, kayaking and wine tours are just a few of the exhilarating possibilities at Santiago's doorstep.

Und es ist wahr , " die Stadt belohnt den geduldigen Reisenden " , ich freue mich schon darauf, unseren nächsten Gästen dieses Santiago zu zeigen :)

Donnerstag, 10. März 2011

Patagonien Schnupperkurs IV - Hungerhafen






Hinter dem Namen "Puerto del Hambre", "Port Famine" oder zu deutsch "Hungerhafen" verbirgt sich die tragische Geschichte des ersten spanischen Kolonisierungsversuchs an der Magellanstrasse. Nachdem Fernando Magellan 1520 die Ost-West Passage gefunden hatte ( ausführlich könnt ihr das in den letzten posts lesen ) beauftragte der spanische König einen ebenso genialen Seefahrer und Wissenschaftler , Pedro de Sarmiento de Gamboa, dieses Gebiet für die spanische Krone zu besetzen. Sarmiento, 50 Jahre später als sein berühmter Vorgänger in Nordspanien geboren, war Historiker, Autor, Astronom, Geograph und erst in zweiter Linie Seefahrer, doch bekannt wurde er als Entdecker der Salomon-Inseln und des Vanuatu Archipels. Er hatte schon über zwanzig Jahre in Peru gelebt und studiert, kehrte dann nach Spanien zurück und übernahm das Oberkommando über eine Flotte von 23 Schiffen, mit insgesamt 2500 Menschen an Bord - Soldaten, Priester, Handwerker, Frauen und Kinder. Während der drei !! Jahre dauernden Überfahrt reduzierte sich die Zahl der Schiffe auf drei.....Schiffbruch, Meuterei, Desertation, Piraterie taten ihr übrigens. Das überlebende Häuflein von 337 Siedlern, darunter 13 Frauen und 10 Kinder, landete geschwächt und fehlernährt in einer geschützten, malerischen Bucht, nur wenige Kilometer vom heutigen Punta Arenas entfernt. Sarmiento taufte 1584 die erste spanische "Stadt" in Patagonien auf den Namen " Rey Felipe", nach König Philipp. Vollkommen mangelhaft ausgerüstet und den nahenden Wintereinbruch vor Augen, zerlegten die Siedler zwei Schiffe, um sich Holzhütten bauen zu können. Auf der alten gezeichneten Karte erkennt man, dass der Grundriss eher einem Fort ähnlich war. Mit dem verbleibenden Segler stach Sarmiento kurz danach in See und versprach, so schnell wie möglich mit Vorräten zurück zukehren. Damit begann die unabwendbare Tragödie der Siedler, die trotz verzweifelter Versuche langsam und qualvoll verhungerten und erfroren. Ein schlichtes Steindenkmal erinnert an die toten Spanier und nur noch zerbröckelnde Reste einer niedrigen Steinmauer geben Zeugnis von dem Schrecken und der Verzweiflung dieser Menschen. Dort zu stehen, in dieser heute so freundlich und harmlos wirkenden Bucht mit einem malerischen Ausblick auf das Meer, war der emotionalste Moment der ganzen Reise. Ich wanderte stumm durch die kleine, grüne Ebene, wo sich die Hütten befunden haben mussten und meine Gedanken erschufen diese Welt voller Hoffnungslosigkeit und Qual. Es war, als ob die Geister der Verstorbenen den Ort nie verlassen hatten.......
Sarmiento kehrte nie zurück......er wurde von den Engländern gefangen genommen ( Francis Drake war sein Erzfeind ) und erlangte erst 9 Jahre später seine Freiheit wieder. So viel Zeit liess sich König Philipp, um das Lösegeld zu zahlen. Innerlich gebrochen, starb Sarmiento kurz nach seiner Freilassung.
Doch es kam ein Schiff drei Jahre später nach Puerto del Hambre......aber ausser einem einzigen Überlebenden war nichts mehr zu retten. Der Freibeuter Thomas Cavendish stand vor einer Totenstadt. Er fand nur noch Skelette. Die am besten erhaltensten lagen alle in in der gleichen Ausrichtung nebeneinander auf dem Dorfplatz. Ihre Knochen, darunter auch eine Frau und ein ca. 12 jähriges Kind, sind unter dem Grabmal beigesetzt. Der Überlebende, halb wahnsinnig, war aber dennoch in der Lage, den Seeleuten zu erzählen, was sich ereignet hatte. Die Kunde von dem tragischen Scheitern der ersten spanischen Siedlung erreichte so das Mutterland. Viele Jahrzehnte wurde kein neuer Versuch mehr unternommen.
Puerto Hambre ist ein fast vergessener Ort geblieben.....nur sehr wenige Touristen finden ihren Weg dorthin und ich bin dankbar, das ich die Gelegenheit hatte, ihn zu sehen und seine Geschichte zu hören.

Sonntag, 6. März 2011

Patagonien Schnupperkurs III Perito Moreno Gletscher

Der Ausflug zum Perito-Moreno Gletscher sollte zum aufregendsten Tag unserer ganzen Reise werden und das gleich aus zweierlei Hinsicht !
Leider zu spät, nämlich erst in Puerto Natales, wurde uns bewusst, dass wir , um den berühmten Gletscher zu sehen, die argentinische Grenze überqueren mussten. Die Pässe aber lagen friedlich im Schrank in Santiago und ob unser chilenischer Spezial-Ausweis den argentinischen Grenzern genügen würde, konnte uns niemand sagen. Nach ein paar aufgeregten Anrufen bei Freunden, die eventuell unsere Pässe holen und per Express hätten schicken müssen und einem Besuch in der örtlichen Polizeistation ( der chilenische Beamte, sehr freundlich, meinte, er könnte auf keinen Fall vorraussagen, wie die argentinischen Kollegen ragieren würden ), beschlossen wir, es einfach drauf ankommen zu lassen. Nicht ohne an die Horror-Geschichten zu denken, die uns Freunde erzählt hatten. Harmlose europäische Touristen wurden da grundlos an der Wiedereinreise !! nach Chile gehindert und mussten stundenlang und nächtens ausharren, bis die Grenzer endlich Erbarmen zeigten. Egal, jetzt waren wir hier und vielleicht hatten wir ja Glück ! Als erstes verschliefen wir mal gründlich. Um 6 Uhr klopfte es heftig an die Zimmertür " Der Bus ist da !" Super, so schnell waren wir noch nie aus dem Bett gestürzt, hatten uns in fliegender Hast angezogen, klettern atemlos und ohne Frühstück zu der Handvoll Touristen in den Bus. Nach 25 km dann die chilenische Grenze, an der, wie zu erwarten, alles völlig reibungslos lief, obwohl unser chilenischer Ausweis sich doch sehr von dem eines "Original"- Chilenen unterscheidet. Jetzt fuhren wir die nächsten 6km durch ödes Niemandsland und unsere Herzen begannen zu klopfen. Gleich würde es sich zeigen, ob wir hier zurückbleiben mussten. Die argentinische Grenze, ein winziges Häuschen mit Flaggenmast und dem bemalten Schild der Provinz "Santa Cruz", lag eingebettet in die endlose Pampa im Irgendwo. Wir stellten uns ans Ende der kleinen Schlange, vor uns alles Chilenen. Die zwei Beamten, ganz junge Kerle, schauten gewissenhaft jeden Ausweis an, blickten dann kurz in ihre antiken Monitore und nickten mit dem Kopf : "Der Nächste !" Ich setzte mein freundlichstes und unschuldigstes Lächeln auf, versuchte, mein "Buenos dias" möglichst akkzentfrei herauszubringen und hielt den Atem an. Ohne mit der Wimper zu zucken oder auch nur einen Sekundenbruchteil zu zögern, gab mir der Beamte den Ausweis zurück. Gerd hinter mir erging es genauso. Mühsam unterdrückten wir einen Freudenschrei......Das also war geschafft ! Die nächsten Stunden konnte ich meinen Blick nicht von der Landschaft abwenden, die hinter dem Fenster an mir vorbei zog. Unendliche Weiten bis zum Horizont, mal eben, mal sanft gewellt, alles in gelb-braunen Ockertönen, Viehherden in der Ferne, kein Baum, kein Strauch, kein Auto. Nur wir und die Strasse, die vor uns den Himmel zu berühren schien. Wolkenformationen, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Kühne Figuren, wie mit dem Pinsel gemalt und getupft, Schleier, Bänder, in sich verschlungen, ein ständig wechselndes Schauspiel im Kontrast zur gleichförmigen Pampa. Je näher wir dem Nationalpark " Los Glaciares" kamen, desto schlechter wurde das Wetter und als wir am Ufer des riesigen Lago Argentina entlangfuhren, verdüsterte sich der Himmel und es begann zu regnen. Aus der Literatur wussten wir schon, dass der Perito-Moreno der einzige Gletscher weltweit war, der ständig wuchs und seine Besucher mit häufigen kleinen und grossen Kalbungen verwöhnte. Und tatsächlich, als wir uns diesen riesigen Eismassen näherten, hörten wir es schon krachen, knacken, knistern und grollen. Die bis zu 60 m hohen Abbruchwände schienen lebendig zu sein, da und dort, alle paar Minuten, lösten sich Eisbrocken. Ich hatte die Kamera natürlich immer im falschen Moment aus bzw. an, :) Um einen Grössenvergleich zu haben : Die im Film rechts schwimmenden weissen , kleinen Flecken entsprechen der Grösse eines Dampfers.....Und dann sahen wir tatsächlich eine grosse Ruptur, eine Säule, die wie ein Pfeil ins Wasser glitt und in einer riesigen runden Welle wieder hochschoss, bevor sie auf der Oberfläche zur Ruhe kam. Wenigstens auf dem Foto könnt ihr die tiefblaue , schimmernde Farbe erahnen, die in wenigen Sekunden zu türkis verblasst war. Das Ganze war begleitet von einem dumpfen Donnergrollen, ich werde diesen Ton nicht vergessen. Bei Sonnenuntergang passierten wir wieder die friedliche kleine Grenzstation, glücklich und erleichert.


Samstag, 5. März 2011

Und nochmal Fernando Magellan




Diese Fotos möchte ich euch noch zeigen, aber Google liess sie mich nicht im letzten Post veröffentlichen......deshalb hier der Nachtrag :)